Statue Bordeaux - Quai de Queyries - Toussaint Louverture

Die Spuren aus der Kolonialzeit

Im 18. Jahrhundert lebte der Hafen von Bordeaux von den Kolonien. Bei einem Spaziergang durch das Chartrons-Viertel, das viele Spuren aus dieser Epoche bewahren konnte, tauchen Sie ein in diesen Abschnitt der Geschichte Frankreichs. Faszinierend!

Bordeaux, eine Kolonialstadt? Ja!

Bordeaux quartier des Chartrons

Im Jahrhundert der Aufklärung ist der Hafen von Bordeaux einer der reichsten in Europa. Viele Einwohner aus Bordeaux haben sich in der Karibik und insbesondere in Saint-Domingue (Haiti) niedergelassen, um dort eine Vielzahl an Lebensmitteln, Zucker, Gewürzen, Rum und vieles mehr zu produzieren und zu verkaufen.
In der Stadt selbst sind noch viele Spuren von dieser Aktivität erhalten. Der Verein „Mémoires et Partages‟ bietet Themenspaziergänge zu diesem Kapitel der Geschichte an. Einer davon mit dem Namen „Kreolisches Chartrons‟ handelt von der reichen und gleichzeitig schlimmen Geschichte des sogenannten Atlantischen Dreieckshandels, der den Sklavenhandel einschloss.

Der Rundgang erfolgt in mehreren Etappen, um sowohl das Leben der Gefangenen, das Leben der Schwarzafrikaner in Europa und den langen Weg bis zur Abschaffung der Sklaverei aufzugreifen. Der Spaziergang verläuft ausschließlich innerhalb des Chartrons-Viertels, dem ehemaligen Kornspeicher der Stadt.

Dreieckshandel

Bordeaux Monument aux Girondins

Der Rundgang startet am Fuß der Colonne des Girondins, dem Girondistendenkmal an der riesigen Place des Quinconces. Karfa Diallo, Kreateur und Animateur dieses Erkundungsspaziergangs, lässt mit seinem ausgeprägten Erzähltalent die Reisebedingungen, die Arbeitsbedingungen und das Leben als Sklaven der Afrikaner wieder lebendig werden. Ohne die Geschichte der afrikanischen Prinzen zu vertuschen, die von Gefangennahmen lebten und ihre Gefangenen im 15. Jahrhundert an weiße Europäer verkauften, ohne die tausend Jahre alte Existenz des arabischen-muslimischen Sklavenhandels seit dem 7. Jahrhundert zu leugnen, erklärt er, wie Europa durch den Atlantischen Dreieckshandel zu Reichtum kam.

Der Hafen in Bordeaux, der der Karibik und Afrika geografisch am nächsten lag, war demnach logischerweise ein strategischer Punkt dieses Dreieckshandels.

In dem imposanten Lager Lainé, dem „echten Lager für Kolonialwaren‟ ganz in der Nähe des Quinconces-Platzes, wurden die Schätze aus Übersee für den Weiterverkauf gelagert.

Mur peint - Rue Borie

Bei einem Rundgang durch die umliegenden Straßen stößt man noch auf Spuren von Destillerien und Privatlagern, die den Adeligen aus Bordeaux gehörten, die durch diesen Handel reich geworden waren.

Jardin public Bordeaux

Bei einem Halt im nahe gelegenen Park hört der Spaziergänger vom Leben auf den Plantagen und wird darauf aufmerksam gemacht, dass sich hier in diesem Park, auf den Terrassen, das Museum des Kolonialinstituts von Bordeaux befand, das 1901 eröffnet worden war. Einige Meter weiter, im Herzen des Viertels Chartrons, erzählt Karfa Diallo die Geschichte des Kaffees, ob er aus Brasilien, Saint-Domingue oder Madagaskar stammt.

Toussaint Louverture

Im Laufe seines Berichtes erwähnt der Historiker die ersten Sklavenaufstände, Haiti, die erste „schwarze Republik‟ nach der einzigen erfolgreichen Sklavenrevolution in der Weltgeschichte. Am Quai des Queyries zeigt er den Teilnehmern die Statue, die eine Hommage an den haitianischen Revolutionsführer Toussaint Louverture ist. Und abschließend berichtet er, wie die Sklaverei in 1848 schließlich abgeschafft wurde.

Erstes Schiff

Musée d'Aquitaine

Der Spaziergang endet am Quai des Chartrons, wo die Schiffe ihre Waren aus den Kolonien abluden, um einen Halt an der Gedenktafel einzulegen, die 2006 aufgestellt wurde und an die Abfahrt des ersten für den Sklavenhandel ausgestatteten Schiffs erinnert. Das ist das erste Mal, dass Bordeaux sich offen zu diesem Kapitel der Stadtgeschichte bekannte.

Wer noch mehr erfahren möchte, besucht das Museum der Aquitaine, das diesen Rundgang wunderbar ergänzt. Ein Museumsflügel widmet sich ausschließlich dem Sklavenhandel und der Rolle der Stadt Bordeaux im Dreieckshandel.

Zwischen fundiertem Geschichtskurs und einem Spazerigang durch das schöne Viertel Chartrons ist der Spaziergang „Kreolisches Chartrons‟ ein wertvoller, gemeinsam erlebter Moment, bei dem Sie mehr über die Geschichte von Bordeaux erfahren.

Adressen

💡 „Mémoires et Partages‟ entdecken
Programm der Spaziergänge (Tarif: 10 €). Anmeldepflichtig, per E-Mail oder Telefon. Start 10 Uhr außer bei anderweiter Mitteilung.
Individuelle Besichtigung oder mit der Familie und Abendbesichtigung: an allen Wochentagen, Uhrzeit nach Wahl, Preise auf Anfrage.
5 place Camille-Jullian, 33000 Bordeaux. Tél 09 54 34 78 63.
Website: http://memoiresetpartages.com und www.facebook.com/memoiresetpartages
Markt : An den Kais im Chartrons-Viertel, sonntagmorgens. Wochenmarkt. Ab 8 Uhr und bis 15 Uhr für die Gastronomie vor Ort rund um große Gourmettische.

📘 Lesetipp

  • „Bordeaux port négrier‟, von Éric Saugera, Verlag Annales de la Révolution française (1997) und die neu erschienene
  • These von Julie Duprat, Ecole des Chartes, über die schwarzen Minderheiten in Bordeaux im 18. Jahrhundert, Einsicht auf einfache Anfrage im Archiv des Departements der Gironde

🛏️ Übernachten
Gästehaus L’Esprit des Chartrons
Große Zimmer mit eleganter Einrichtung, die auf eine Holzterrasse reichen und abgeschieden vom Lärm liegen. Ab 110 € pro Nacht, in der Woche, 120 € am Wochenende.
17 bis rue Borie.
Tél 06 82 20 20 67.
www.lespritdeschartrons.fr

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Bordeaux 

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